Von den Flambauen zur Großfackel



Und also schrieb er an einen Freund:

Vernimmst du Donner-Gebraus und Getümmel,
blickst über der Stadt röthlichem Himmel,
so laß dir dies kein Schrecken einjagen,
es sind Fackeln die Menge, von Schützen getragen,
die flammend hoch lodern den Himmel hinan
und feurig roth färben die Sternen-Bahn.
Sie begleiten den Vogel mit Freunden-Gesänge,
und Musik ertönt aus jubelnder Menge..............................
etwas holprig, aber immerhin.............................................
 

Nun, ein Großfeuer war es gerade nicht, das den Himmel rötete. Wir dürfen annehmen, dass sich etwa neunzig bis hundertzwanzig Schützen an dem Fackelzug beteiligten. Die Vereinsmitglieder waren zur Teilnahme nicht verpflichtet, sollten sich jedoch vorher in eine Liste eintragen, damit der Schatzmeister wusste, wie viel Flambauen er besorgen musste.

In jenen Zeiten war es auch Brauch, zum Ende des Fackelzuges die Fackeln auf dem Markte zusammenzuwerfen und abbrennen zu lassen, wobei die Zeugteilnehmer sich im Kreise um das Feuer scharten. Für diesen Akt dichtete ein Komiteemitglied, der Notar Friedrich Graeff, eigens ein Fackellied, das 1833 zum ersten Male erklang. Die erste Strophe lautete:

Brüder! Schlingt ein traulich Band
Um den heren Fackelbrand!
Singt im vollen Jubelchor
Vivat hoch der Schützenflor!
 
Jubel und Vivatrufen flossen den Lokalpoeten seinerzeit leicht in die Feder. Mit der sechsten und letzten Strophe leitete der dichtende Notarius über zur nächsten Veranstaltung, zur früher üblichen letzten Generalversammlung, die im Kaufhaussaal am Markt stattfand:
 
Unser Heerd ist ausgebrannt.
Eilet weiter Hand in Hand!
Droben im gefüllten Saal

greift zum vollen Weinpokal!



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